Abwarten und Tee trinken – Friesische Teestunde

Zugegeben, eigentlich ist Tee trinken eher Sache der Ostfriesen. Obwohl wir uns mit unserem DORFHOTEL auf Sylt eher Nordfriesland zuordnen, drücken wir großzügig ein Auge zu: Tee getrunken wird schließlich überall, und gerade jetzt im Herbst ist gegen eine Tasse des wärmenden Heißgetränks nichts einzuwenden. Doch die Ostfriesen haben ihre ganz eigene Art des Teetrinkens. Genau davon wollen wir euch in diesem Blogbeitrag berichten, natürlich bei – und wie könnte es anders sein – einer schönen Tasse Tee.

Wasser aufkochen, Teebeutel rein, fertig – Tee ist gleich Tee, oder etwa nicht? Falsch gedacht! Das käme bei den Ostfriesen fast einer Beleidigung gleich. Im hohen Norden des Landes wird die Teekultur nämlich sehr geschätzt und bereits seit Jahrhunderten mit Hingabe praktiziert. Während des 17. Jahrhunderts brachten niederländische Schiffe die ersten Teesorten aus China nach Europa. Anfangs noch geduldet und sogar gefördert, befahl Friedrich II. um 1780 herum, das Teetrinken zu unterlassen und stattdessen lieber Bier zu trinken oder wenigstens heimische Pflanzenarten und Kräuter zu verwenden. Stattdessen begannen die Menschen, ihren „Thee“ zu schmuggeln und heimlich zu trinken. Kurz darauf wurde das Verbot wieder aufgehoben, sodass die Teeliebhaber wieder ganz legal ihr Heißgetränk aufbrühen konnten.

Blonde Frau trinkt Tasse Tee

Die Zubereitung Tee ist eine Kunst für sich

Apropos aufbrühen: Bei der Teezubereitung haben die Ostfriesen ihr ganz eigenes Ritual, das sich über die Jahre gefestigt hat. Die „Teetied“ (Teezeit) findet in vielen ostfriesischen Haushalten einmal nachmittags gegen 15 Uhr oder auch während des Vormittages um 11 Uhr statt. Außerdem ist es Brauch, jedem ankommenden Gast einen Tee anzubieten. Willigt dieser ein, werden pro Person mindestens drei Tassen Tee getrunken, denn „Dree is Oostfreesen Recht“, eine Ablehnung dessen gilt als unhöflich. Das Teetrinken ist in Ostfriesland also nicht nur wichtiger Bestandteil des alltäglichen Lebens, sondern auch Ausdruck von Gastfreundschaft. Die Zubereitung des Tees beginnt zunächst mit dem Ausspülen der Teekanne mit heißem Wasser, um diese anzuwärmen. Pro Tasse wird nun ein Teelöffel Tee in die Kanne gegeben, obenauf noch ein weiterer Teelöffel „für die Kanne“. Fotolia_66109845_XSTraditionell wird eine Ostfriesen-Mischung aus verschiedenen Schwarztees getrunken, die dunkel ist und ein recht kräftiges Aroma besitzt. Nun werden die Teeblätter mit kochendem Wasser übergossen, jedoch nur soviel, dass der Tee gerade mit Wasser bedeckt ist. Diese Mischung lässt man nun drei bis fünf Minuten ziehen, bevor man die Kanne komplett mit Wasser auffüllt. Nun ist der Tee trinkfertig und kann durch ein Teesieb in die Tassen gegossen werden. Doch halt! Bevor auch nur ein Tropfen Tee in die Tasse gelangt, wird dort zunächst ein „Klüntje“, also ein Stück brauner oder weißer Kandiszucker, platziert. Erst dann wird der Tee darüber gegossen und schließlich folgen einige Tropfen Sahne, die von der Seite behutsam in die Tasse gegossen werden. So entsteht ein „Wulkje“ (Wölkchen). Warum diese Reihenfolge so genau befolgt werden muss? Nur so erzielt man die Schichtung des Tees und seines Aromas. Beim Trinken schmeckt man dann zunächst den milchig-sahnigen Tee, dann die kräftig-aromatische Schicht und schließlich die Süße des Kandiszuckers. Lecker! Kein Wunder, dass die Ostfriesen gern mindestens drei Tassen Tee bei jeder Teetied trinken und so zu einem jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch von etwa 300 Litern kommen – der weltweite (!) Spitzenwert. Wer genug getrunken hat, legt bitte seinen Löffel in die Tasse oder stellt die Tasse umgedreht auf der Untertasse ab. Damit wird verdeutlicht, dass kein Nachschenken des Tees mehr erwünscht wird.

Ja, so ein Tässchen Tee ist schon etwas Feines, und das weiß niemand besser als die Ostfriesen. Deswegen gucken wir uns die Teezubereitung direkt bei ihnen ab und kochen gleich schon einmal die nächste Tasse Tee… Wer möchte noch?

RESI aus dem Dorfhotel Sylt

RESI aus dem Dorfhotel Sylt

Ich bin die Sylt-RESI und meine Welt sind das Meer, der Wind und die Wellen! Im Sommer stehe ich am liebsten auf dem Surfbrett und genieße den Wind um die Ohren. Mein Zuhause – das Dorfhotel Sylt – liegt zum Glück nur einen Katzensprung vom Strand entfernt. Jeden Morgen besuche ich die kleinen Gäste beim Frühstück und sorge dafür, dass sie nicht nur Würstchen essen sondern auch mal einen Apfel! Denn auf Sylt braucht man viel Energie für den Tag, um bei all der Action auf der Insel nicht schlapp zu machen! Hier im Blog möchte ich euch auf dem Laufenden halten über das, was bei uns so los ist.
RESI aus dem Dorfhotel Sylt
RESI aus dem Dorfhotel Sylt

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